Das Friesenpferd: eine schwarze Perle mit einem goldenen Herzen

Von einer fast ausgestorbenen Rasse zu einer blühenden Zucht mit 70.000 registrierten Pferden in mehr als 80 Ländern: Das Friesenpferd hat viele Stürme überstanden und ist beliebter denn je. Die königliche Ausstrahlung, der freundliche, menschenbezogene Charakter, die Vielseitigkeit im Sport... Die Anpassungsfähigkeit des Friesenpferdes ist grenzenlos. A Love for Life, eine Liebe fürs Leben.
Schwarze Perlen weltweit beliebt
Das beliebte Friesenpferd ist vielleicht die faszinierendste Pferderasse der Welt. Diese schwarzen Perlen mit ihrem stolzen und imposanten Aussehen haben sich über alle Kontinente der Erde verbreitet. Von China bis Kanada und von Schweden bis Südafrika. Sie sind das Symbol für Kraft und Eleganz und wissen mit ihrem lebhaften und freundlichen Charakter viele Herzen zu erobern. Sie glänzen in berühmten Hollywoodfilmen, in Shows und auch im Theaterstück „De Stormruiter”. Im Sport, bis hin zum internationalen Spitzenniveau, sind die Friesenpferde echte Blickfänge. Diese Popularität ist nicht von jeher gegeben, wie uns die Geschichte des Friesenpferdes lehrt.
Starke Ritterpferde
Die ersten schriftlichen Berichte über die Existenz von Friesenpferden finden wir zu Beginn unserer Zeitrechnung. Es gibt Belege dafür, dass Friesenreiter zu dieser Zeit Teil der berühmten römischen Armee von Kaiser Nero waren. Es ist bekannt, dass Friesenpferde an der berühmten Schlacht von Hastings beteiligt waren, die Wilhelm der Eroberer 1066 auf einem Friesen bestritt.
gewonnen wurde. Es steht fest, dass die Friesen im 13. Jahrhundert als Züchter und Händler bekannt waren, die auf Märkten in ganz Westeuropa Rinder und Pferde verkauften. Die von ihnen gezüchteten robusten, reich behaarten Pferde waren nicht größer als 140 Zentimeter. Sie konnten gepanzerte Reiter von bis zu 250 Kilogramm tragen und waren daher im Mittelalter als Ritterpferde sehr begehrt.
Nobly, leichtfüßig und anmutig
In der Zeit, die wir als Barock (1600-1750) bezeichnen, verändert sich in Europa der ideale Pferdetyp. Die maurischen und türkischen Armeen verfügten über wendige und schnelle orientalische Pferde, denen die schweren (friesischen) Ritterpferde nicht gewachsen waren. Europa wurde zu dieser Zeit von Spanien beherrscht, was die Ankunft der spanischen Kavallerie und ihrer edlen, vor allem andalusischen Pferde bedeutete. Dieses leichte und wendige Pferd, das viel arabisches Blut hatte, erwies sich nicht nur als geeignet für die sich wandelnde Kriegsführung, sondern war mit seiner stattlichen Ausstrahlung und seinen erhabenen Gängen auch ein prächtiges Prunkpferd. Ein Pferd, mit dem sich jeder Offizier und Adlige präsentieren konnte. Das vielfarbige andalusische Pferd prägte den Friesen, der edler und leichterfüßig wurde, einen kleinen Kopf und einen anmutigen, leicht gebogenen Hals bekam. Dieses barocke Friesenpferd weist bereits viele Ähnlichkeiten mit dem heutigen Pferd auf.
Das goldene Zeitalter des friesischen Pferdes
Der Ruhm des barocken, vielseitigen Friesenpferdes als Schlachtross, Dressurpferd, Kutschpferd und Trabrennpferd stieg in Europa zu großer Höhe. Das Goldene Zeitalter in den Niederlanden (17. Jahrhundert) wurde auch zum Goldenen Zeitalter des Friesenpferdes. So war es bei Feldherren des Hochadels und Reitschulen an europäischen Höfen, wo die hohe Kunst der Dressur gepflegt wurde, sehr beliebt. Viele Kunstwerke aus dem Goldenen Zeitalter zeugen vom großen Ruhm des Friesenpferdes. So zum Beispiel eine Radierung des friesischen Schlachtrosses Phryso, das sich im Besitz des spanischen Heerführers Don Juan von Österreich befand. Popularität ist selten von Dauer, und das war auch hier nicht anders. Durch das Aufkommen der Infanterie und der Feuerwaffen verlor die Kavallerie an Bedeutung, und für das vielseitige friesische Pferd musste eine neue Verwendung gefunden werden. Diese fand sich im Einsatz als Trab- und Kutschpferd sowie für leichtere Arbeiten in der Landwirtschaft.
Nicht für schwere Arbeiten geeignet
Das Friesenpferd erlangte schnell neue Bekanntheit als Kutschpferd und Trabrennpferd. Die Trabrennen entwickelten sich in Friesland zu wahren Volksfesten, mit denen viel Geld verdient werden konnte. Adel und Bauernschaft fuhren außerdem sonntags gerne in einer schönen Kutsche mit einem schönen Friesen vor der Kirche vor, als Zeichen des Wohlstands und Stolzes. Dennoch wurde das leichtere friesische Pferd im Norden der Niederlande nach und nach wieder verdrängt. Diesmal durch schwerere Pferderassen und das Aufkommen des Automobils.
Im Jahr 1879 wurde das Zuchtbuch gegründet.
Zum Schutz des Friesenpferdes gründete eine Gruppe friesischer Landbesitzer und Bauern 1879 in der Gaststätte „De drie Romers” in Roordahuizum (Reduzum) das (Friesch) Paarden-Stamboek (Friesisches Pferdestammbuch). Das erste Pferdestammbuch der Niederlande für die einzige eigene Pferderasse, die die Niederlande zu bieten haben. Dennoch konnte damit der drohende Untergang des Friesenpferdes noch nicht abgewendet werden.
Vom eleganten Pferd zum schweren Arbeitspferd
Im Jahr 1913 war die Population der Friesenpferde auf einen historischen Tiefstand gesunken, mit nur noch drei lebenden „reinrassigen” Friesen-Deckhengsten: Prins 109P, Alva 113P und Friso 117P. Um das Aussterben zu verhindern, musste etwas unternommen werden. Das Zuchtbuch beschloss, sich endgültig auf die Zucht von leichten und mittelschweren Landpferden zu konzentrieren, ohne Kreuzungen mit anderen Pferderassen zuzulassen. Die Veränderung musste von innen heraus erfolgen. Zwei Jahre später wurde zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder ein Friesenhengst in das Zuchtbuch eingetragen: Oom 119. Um den Anforderungen der Landwirtschaft besser gerecht zu werden, wurde das Friesenpferd schwerer und kompakter gezüchtet, wobei jedoch die schwarze Farbe, die üppige Behaarung und der feine Charakter erhalten blieben.
Eine neue Krise zeichnet sich ab
Im Jahr 1954, 75 Jahre nach seiner Gründung, erhielt das Zuchtbuch den königlichen Status und wurde zur Königlichen Vereinigung „Het Friesch Paarden-Stamboek” (KFPS). Die Freude währte jedoch nur kurz, denn erneut stellten Neuerungen in der Landwirtschaft eine Bedrohung dar. Innerhalb von knapp zwanzig Jahren verzehnfachte sich die Zahl der Traktoren, die die (friesischen) Pferde von den landwirtschaftlichen Flächen verdrängten. Im Jahr 1970 hatte das Zuchtbuch nur noch 645 Mitglieder, tausend registrierte Pferde und kaum mehr als vierhundert gedeckte Stuten. Keine gute Entwicklung für ein Zuchtbuch, in dem die Verwandtschaft zwischen den Pferden aufgrund der schmalen Basis zu Beginn des Jahrhunderts ohnehin schon hoch ist. Die Verkaufspreise für Friesenpferde sanken auf Schlachtwert, und das Zuchtbuch stand kurz vor dem Bankrott. Wie schon sechzig Jahre zuvor musste etwas geschehen, und wieder war es eine Gruppe von Liebhabern in Friesland, die sich für das Friesenpferd einsetzte.
Wachsender Wohlstand und Freizeit bieten Rettung
Neben Mitgliederwerbungsaktionen und Lotterien wurde 1967 eine „Kreuzzug“ durch Friesland organisiert, um die Bevölkerung auf die Notlage aufmerksam zu machen und die Rasse als Sport- und Freizeitpferd zu fördern. Man plädierte dafür, das Friesenpferd nicht mehr als Arbeitspferd, sondern wieder als Luxuspferd zu züchten. Ein Pferd, das für Sport und Freizeit, für die Kutsche und unter dem Sattel geeignet war. Diesmal für ein breiteres Publikum als den Adel und die Bürgerschaft der Jahrhunderte zuvor. Glücklicherweise stiegen Wohlstand und Freizeit, was bedeutete, dass Reiten und Pferdesport für ein breiteres Publikum zugänglich wurden.
Vierspännerfahren und Filme
Was half, war, dass das Vierspännerfahren zu einer neuen und beliebten Pferdesportart wurde, in der friesische Vierspänner international Aufmerksamkeit erregten. Ihre Auftritte sorgten weit über Friesland hinaus für eine steigende Nachfrage nach friesischen Pferden.
Von ähnlicher Bedeutung sind die vielen Hollywoodfilme, in denen die schwarzen Perlen glänzen, wie „Die Maske des Zorro” und in den beliebten Serien „The Hunger Games” und „Game of Thrones”. Die Zucht gewann an Fahrt und der KFPS kletterte nach zwanzig Jahren aus einem tiefen Tal heraus. 1979 wurde das hundertjährige Jubiläum gefeiert, was den Beginn einer beispiellosen Blütezeit markieren sollte.
Modernes Pferd mit Charakter und Ausstrahlung
Allmählich gewann das Friesenpferd seine frühere Eleganz zurück und wurde langbeiniger mit einem weniger schweren und kompakten Körperbau. Inzwischen war es kaum noch möglich, die stark wachsende Nachfrage außerhalb der Grenzen Frieslands zu befriedigen. Mit Hilfe der künstlichen Befruchtung in den 1970er Jahren wurde es möglich, Stuten auch in weit entfernten Regionen zu befruchten, sodass die Population der Friesenpferde explosionsartig von knapp 3.000 im Jahr 1980 auf 70.000 fünfundzwanzig Jahre später anwuchs. Im Zuge dieses Erfolgs entwickelte sich das KFPS zu einem sehr professionellen Zuchtbuch, das jährlich Dutzende von Prüfungen weltweit organisiert, um zu beurteilen, ob sich das Friesenpferd als Reit- und Kutschpferd weiterhin gut entwickelt. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der Rasseeigenschaften gelegt, die das Friesenpferd mit seinen fernen Vorfahren verbinden.
Sport- und Showpferd
Mit seiner Vergangenheit als Trab- und Kutschpferd hat sich das Friesenpferd im Gespannsport bewährt. Dass es viel Talent für den Dressursport hat, hat es bereits vor Jahrhunderten an den europäischen Höfen unter Beweis gestellt. Heute kann sich das Friesenpferd auf höchstem Niveau des Dressursports mit anderen Rassen messen. Aufgrund seines imposanten Aussehens und seines intelligenten und umgänglichen Charakters ist es auch als Showpferd und Filmstar sehr begehrt. Die internationalen Shows der Fryske Quadrille und des Friesian Top Dressage Teams sind Publikumslieblinge, und das Theaterspektakel De Stormruiter mit mehr als hundert Friesenpferden in den Hauptrollen lockt bis zu hunderttausend Besucher nach Leeuwarden.
Das friesische Pferd erobert die Welt
Das Aushängeschild Frieslands mit seiner Arbeitsfreude und seinem unkomplizierten Charakter hat sich zu einer der begehrtesten und vielseitigsten Pferderassen der Welt entwickelt. Im Jahr 2023 zählt die Königliche Vereinigung „Het Friesch Paarden-Stamboek” mehr als zehntausend Mitglieder in über achtzig Ländern. Jedes Jahr werden etwa fünftausend Stuten von knapp hundert Hengsten „gedeckt”.
Äußere und innere Schönheit
Die bewegte Geschichte des Friesenpferdes, das so eng mit Friesland verbunden ist, zeigt uns, dass sich diese vielseitige Pferderasse immer wieder an die Anforderungen der Zeit anzupassen wusste. Dank seines stolzen Aussehens mit tiefschwarzer Farbe, üppiger Behaarung, edlem Kopf, aufrechtem und leicht gebogenem Hals, eleganter Statur und erhabenen Gängen ist das Friesenpferd eine Augenweide. Seine intelligente und arbeitswillige Einstellung und sein unkomplizierter, freundlicher Charakter machen es zu einem treuen Begleiter für Sport und Freizeit. Diese äußere und innere Schönheit lässt, wie die Vergangenheit lehrt, die Zukunft des Friesenpferdes rosig erscheinen.
Quelle: www.kfps.nl